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Geschichten aus der Servicewüste

Wein-Krampf

Nikolaus Bernhardt schreibt am Donnerstag, 30. Juni 2005:

[Aus Wein-Krampf am Telefon von heute. Mit freundlicher Genehmigung.]

Ich bekomme einen Anruf von einem Call-Center. Eine weibliche Stimme leiert die eingeübte Begrüßung herunter und fragt, ob sie mich kurz zu meinen Konsumgewohnheiten bei Getränken befragen darf. Ich bin ein höflicher Mensch und habe etwas Zeit, also stimme ich zu.

Sie: „Darf ich Sie zum Thema Wein befragen?“
Ich: „Ich vertrage keinen Wein, ich trinke keinen Wein.“
Sie: „Wann haben Sie zum letzten Mal Wein gekauft?“
Ich: „Ich vertrage keinen Wein, ich trinke keinen Wein, warum sollte ich dann Wein kaufen?“

Kurzes Schweigen. Setzen jetzt die notwendigen Denkprozesse bei ihr ein?

Sie: „Vielen Dank für Ihre Teilnahme an unserer Umfrage.“
Ich: „Gerne geschehen.“

Ah, sie hat’s begriffen.
Leider doch nicht.

Sie: „Darf ich Sie zum Dank zu einer Weinprobe einladen?“

Ich verdrehe die Augen und überlege, ob ich nun das in den Hörer brüllen sollte, was ich gerade denke. Aber das wäre grob beleidigend. Statt dessen bleibe ich höflich und antworte mit einem „Ich vertrage keinen Wein, ich trinke keinen Wein, ich kaufe keinen Wein, was sollte ich dann wohl auf einer Weinprobe?“

Sie schweigt wieder. Ich habe den Eindruck, daß zu viele Weinproben nicht gut für das menschliche Gehirn sein können und bin gespannt, was nun kommen wird.

Ohne auf meine Argumente einzugehen wünscht sie mir einen schönen Tag.

Ich bin sicher, daß diese Anruferin in ihrem Leben zuviel Wein getrunken hat. Viel zuviel.

Kommentare

naja, die haben in solchen callcentern bögen vor sich mit den fragen drauf, die sie stur runterleiern und die antworten eintragen oder ankreuzen. nächstes mal das bereit liegen haben *g*

odem.org/privacy/counterscript ...– Dirk Sohler (Donnerstag, 30. Juni 2005)

Sollte das einen Mitarbeiter davon abhalten, bereits nach der ersten, den vollen Fragebogen umfassend beantwortenden, Erwiderung einen schönen Tag zu wünschen und die Kreuzchen halt selber zu machen?

Merke: Wer denken kann ist eindeutig im Vorteil.– M.K. (Dienstag, 12. Juli 2005)

Ich habe Ähnliches gleich doppelt erlebt, d.h. im Abstand von 3-4 Wochen die gleiche Umfrage und meine gleichen Antworten, dass ich diese Produkte nicht nutzen würde. Die Dame am Telefon stellte weiter unbeirrt ihre Fragen, bis ich mit der Bemerkung dass mir das jetzt zu blöd sein würde, aufgelegt habe.– C.N. (Samstag, 30. Juli 2005)

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