SchlechtBedient.de
Geschichten aus der Servicewüste
Möchten Sie sich einmal als Legehuhn fühlen? LTU weiß Rat.
Freude kam auf, als ich erfuhr, dass ich meinen Geburtstag in Asien verbringen werde. Welcher Mensch hat schon Gelegenheit den Eintritt in das Rentenalter in Bangkok zu erleben.
Allerdings brachte die Anreise zum Flughafen bereits ein kleines Problem. Der TGV der an diesem Tag von Paris nach Frankfurt fuhr, blieb mitten auf der Strecke wegen Triebwerksschaden liegen. So kam ich mit einer Stunde Verspätung zum Schalter der LTU nach Düsseldorf. Da ich aber frühzeitig losfuhr hatte ich zum einchecken noch genügend Zeit.
Nur mit wenig Verspätung flogen wir in die Nacht. Ich hatte einen Gangplatz in der ersten Reihe hinter der Business – Class direkt vor der Wand. Der Nachteil an diesem Platz man kann die Armlehne nicht hochklappen. Dafür hat man geschätzte 3,8cm mehr Beinfreiheit.
Bei diesen engen Foltergeräten die den hochtrabenden Namen SITZ haben, kann man den Kopfhörer noch problemlos einstöpseln da die Eingangsbuchse vorne liegt. Allerdings muss man jedes Mal aufstehen wenn man entweder die Lautstärke regeln, oder ein anderes Programm einstellen möchte da diese Funktionen nur innen im Sitz zu bedienen ist. Gleiche Prozedur wenn man das Leselicht an oder ausschalten wollte. Können sie sich vorstellen über 300 Personen machen dies den gesamten Flug über, und das vielleicht noch zur gleichen Zeit?
Die Sitze bei den Flügen nach Asien scheinen nur für Personen aus Thailand konzipiert zu sein. Thailänder, das weiß der erfahrene Mitteleuropäische Holzklassenpassagier, sind meist klein und schmal. Aber auch ich bin keine zwei Meter groß und kaufe meine Kleider immer noch von der Stange.
Hier könnten diese EU Bürokraten endlich einmal etwas sinnvolles tun. Statt sich um die Krümmung von Bananen zu kümmern sollten sie versuchen, Richtlinien zu erlassen die sich mit Sitzabständen in europäischen Flugzeugen befassen.
Pech hatte ich auch, da eine sehr korpulente Russischen Dame meine Sitznachbarin war. Diese resolute Dame beanspruchte die Armlehne auf der linken wie auf der rechten Seite. Ich hatte den ganzen Flug über keine Gelegenheit meinen Arm einmal abzustützen. Da sie gut über den russischen Winter kam, hing der Speck, den sie in demselben aß, kiloweise auf meiner Seite.
Als das Abendessen kam – dies war im Verhältnis an die Größe der Sitze angepasst,- fegte sie beim essen- aus Platzmangel – mit ihrem rechten Ellbogen zunächst Messer und Gabel und anschließend den Becher mit Wasser von meinem Tablett. Das positive daran die Rotweinflasche hatte sie nicht getroffen, so dass Hose und Jacke nur vom Wasser nass wurden.
Der Gang ist so schmal, das die Stewardessen ganz langsam die Wagen durchschieben um ja nirgends anzustoßen. Trotzdem erwischte es den ein oder anderen und so rieb man sich schmerzhaft den Ellbogen, Bein oder Oberarm. Die Beine vertreten. Ein schwieriges Unterfangen. Die Getränkestupserinnen sehen einen schon einmal böse an wenn man ihren Weg kreuzt.
So müssen sich Hühner in einer Legebatterie fühlen. Wenn die Passagiere Hühner gewesen wären, hätten unter Garantie die Tierschützer auf der Matte gestanden, die Startbahn besetzt, und den Start dieser fliegenden Folterkammer verhindert. Das grenzt schon an Körperverletzung. Als Passagier ist man selbst Schuld in so ein Flugzeug zu steigen. Ich hätte es wissen müssen.
Bei meinem vorhergehenden Flug mit LTU hatte ich für 60.- &eur;uro Zuzahlung einen Platz am Notausgang gebucht. Sollten Sie so wie ich das Pech haben dann am Fenster zu sitzen, haben Sie die Ausbuchtung der Tür vor sich und können nur schräg sitzen. Dies ist der schlechteste Platz im Flugzeug. Und dafür müssen sie noch extra zahlen.
Die geringen Sitzabstände verschaffen Joachim und den anderen Anteilseignern zusätzliche Mehreinnahmen. Thrombosefolgen sind ja – Gott sei Dank für die Betreiber – nicht direkt nachzuweisen.
Nach einem 11Stunden Flug kann man verstehen, wenn friedfertige Passagiere zu gewalttätigen Exkunden werden.
Ich jedenfalls gebe meine LTU bzw. Air Berlin Karte zurück, schenke meine Bonusmeilen der Fluggesellschaft und werde weder privat noch mit Gruppen jemals wieder eine Legebatterie betreten.
Aber das wird LTU genau so egal sein wie ihnen die Passagiere egal sind.
>> Mehr im Archiv...
Kommentare
Die Kommentarfunktion wurde bei diesem Artikel abgestellt.